„Der Zweck meiner Reise besteht im Wesentlichen darin, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren. Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese Region eine äußerst wichtige Rolle bei der Gestaltung der globalen wirtschaftlichen und internationalen politischen Entwicklungen spielen wird.“ Mit dieser Überzeugung brach Otto von Habsburg im Februar 1962 nach Tokio auf. Auf seinen kurzen Besuch folgte eine ganze Reihe weiterer Reisen.
Vor einigen Jahren begann unsere Stiftung, die Einzelheiten dieser einzigartigen Beziehung zu erforschen, und seither haben wir unsere Erkenntnisse bei mehreren Veranstaltungen in Japan vorgestellt. Diese Anlässe boten Gelegenheit zu betonen, dass unser Namensgeber die Fähigkeit des fernöstlichen Landes, seine Modernisierung im Einklang mit seinen reichen kulturellen Traditionen zu vollziehen, hochschätzte und diese Erfahrung auch für Europa als wegweisendes Beispiel betrachtete.
Seit vielen Jahren unterhält unsere Stiftung ausgezeichnete Beziehungen zu den in Ungarn akkreditierten japanischen Botschaftern, und es ist uns daher eine besondere Freude, dass Herr Tetsuya Kimura, der sein Amt in Budapest im Januar dieses Jahres antrat, uns ebenfalls einen Höflichkeitsbesuch abstattete. Der Botschafter ist mit der gesamten mitteleuropäischen Region bestens vertraut. Er begann seine diplomatische Laufbahn in Wien zur Zeit der Wende, von wo aus er die Transformationsprozesse – darunter das unter der Schirmherrschaft von Otto von Habsburg stattfindende Paneuropäische Picknick sowie den darauffolgenden beschleunigten Wandel von 1989–1990 – aus nächster Nähe verfolgen konnte; fast drei Jahrzehnte später vertrat er sein Land erneut im deutschsprachigen Raum als Generalkonsul in München.
Wir informierten den Botschafter über die von unserer Stiftung in den vergangenen Jahren in Tokio und Osaka organisierten Veranstaltungen sowie über die weiteren Programme, die aus diesen Initiativen hervorgegangen sind. Bei der Betrachtung unserer Archivmaterialien kam das Gespräch auch auf Otto von Habsburgs umfangreiches Kontaktnetzwerk in Japan, in dem Mitglieder der kaiserlichen Familie ebenfalls eine bedeutende Rolle spielten. Da der Diplomat über viele Jahre hinweg mit der kaiserlichen Familie zusammengearbeitet hatte, nahm er dies mit besonderem Interesse zur Kenntnis. Die in unserer Sammlung aufbewahrten Dokumente geben zudem Aufschluss über die intellektuellen Vermittlungsbemühungen unseres Namensgebers zwischen amerikanischen, europäischen und japanischen politischen Führern.
Im Geiste des Vermächtnisses von Otto von Habsburg sind wir überzeugt, dass das moderne, demokratische Japan – das zugleich seine Traditionen und dynastischen Institutionen achtet – ein wichtiger Partner für Ungarn sein sollte.