Am 30. März führten wir ein Podcast-Gespräch mit dem Genealogen János József Gudenus. Die Fragen wurden seitens unserer Stiftung von Gergely Fejérdy, dem stellvertretenden wissenschaftlichen Direktor sowie Ferenc Vasbányai, dem Bibliothekar, gestellt. Der aus den Antworten hervorgehende Lebensweg kann als typisch für die Geschichte der ungarischen Aristokratie in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg angesehen werden.
Erwein Gudenus, ein Mitglied des österreichischen Zweigs ihrer Familie und unerschütterlicher Anhänger des Hauses Habsburg, erhielt als Anerkennung für seine Verdienste 1932 vom Thronfolger den Orden vom Goldenen Vlies.
Die Investitur der Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies, Steenokkerzeel, Belgien (1932)
(v. l. n. r.) Erzherzog Robert von Habsburg-Este, Erzherzog Gottfried, Prinz Maximilian von Hohenberg, Otto von Habsburg,
Baron Erwein Gudenus, Graf József Cziráky, Graf József Károlyi, Graf Heinrich Degenfeld
János Gudenus – ein 1947 geborenes Mitglied des verarmten ungarischen Zweigs – absolvierte seine Schulausbildung am Benediktinergymnasium in Pannonhalma. Durch die täglichen Begegnungen mit seinen verfolgten Leidensgenossen und katholischen Geistlichen begann er sich dort für die jüngste Geschichte des ungarischen Adels zu interessieren. Den Hintergrund für seine Forschungen bildete die außergewöhnlich reiche Bibliothek des Klosters. 1965 legte er das Abitur ab und betreibt seitdem eine systematische Datenerhebung. Die Kontaktaufnahme mit den Betroffenen erfolgte anfangs ausschließlich auf Vertrauensbasis und beschränkte sich lange Zeit nur auf das Gebiet innerhalb der Trianon-Grenzen; erst ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre weitete sie sich auf einen größeren Kreis aus.
Die ersten Früchte seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit konnten die Leser 1989 in Händen halten: das gemeinsam mit László Szentirmay editierte Werk Zerstörte Wappen. Das Schicksal der ungarischen Aristokratie und die Herausforderungen nach 1945. Einführung in eine soziologische Untersuchung. (Összetört címerek. A magyar arisztokrácia sorsa és az 1945 utáni megpróbáltatások. Bevezetés egy szociológiai vizsgálathoz). Von diesem Werk wurden innerhalb weniger Monate 40.000 Exemplare verkauft. Es folgten zwischen 1990 und 1999 die fünf Bände von Die Genealogie des ungarischen Hochadels im 20. Jahrhundert (A magyarországi főnemesség XX. századi genealógiája). Auch nach Abschluss der Arbeiten am „ungarischen Gotha-Almanach“ bleibt János Gudenus nicht untätig: Seit 2005 gibt er das Jahrbuch Nobilitas heraus, das vom Verband der Ungarischen Historischen Familien veröffentlicht wird.
