PROGRAMME
Mitteleuropa neu denken
Die Otto-von-Habsburg-Stiftung und das European University Institute (EUI) in Florenz veranstalten am 25. September anlässlich des 100. Jahrestages des ersten Wiener Kongresses der Paneuropa-Bewegung eine gemeinsame Konferenz. Im Mittelpunkt stehen Integrationsvorstellungen für Mitteleuropa in der Zwischenkriegszeit sowie zeitgenössische Visionen der europäischen Zusammenarbeit.
RegistrierungOrt
Habsburg Ottó Alapítvány,
1088 Budapest, Szentkirályi u. 51.
Datum
Anfang
2026.09.25.Freitag10:00
Ende
2026.09.25.Freitag16:30
Mitteleuropa neu denken
Transnationale Netzwerke und Integrationsvorstellungen in der Zwischenkriegszeit
Wie wurde Mitteleuropa nach den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen infolge des Ersten Weltkriegs neu gedacht und diskutiert? Welche miteinander konkurrierenden und sich überschneidenden Vorstellungen von der Region entstanden als Reaktion auf den Zerfall der Imperien, und in welchem Verhältnis standen sie zu umfassenderen Entwürfen einer europäischen Ordnung?
Ausgehend von diesen Fragen untersucht die gemeinsam von der Otto-von-Habsburg-Stiftung (Budapest) und dem European University Institute (Florenz) veranstaltete Konferenz, wie sich Mitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg zu einem zentralen Raum der Reflexion und Erprobung neuer Formen regionaler und gesamteuropäischer Zusammenarbeit entwickelte. Im Mittelpunkt stehen politische Akteure, Intellektuelle und Wirtschaftsexperten, die über die Konkurrenz der Nationalstaaten hinaus nach alternativen transnationalen Formen wirtschaftlicher Kooperation, politischer Annäherung und kulturellen Austauschs suchten.
Anlässlich des 100. Jahrestages seines ersten Kongresses in Wien widmet sich die Konferenz insbesondere der von Richard Coudenhove-Kalergi geführten Paneuropa-Bewegung – einer der einflussreichsten und ambitioniertesten Initiativen der Zwischenkriegszeit für eine wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit in Europa – sowie ihren zentralen mitteleuropäischen Vertretern, darunter Elemér Hantos, Václav Schuster und andere. Darüber hinaus wird untersucht, wie ihre Vorstellungen regionaler Zusammenarbeit grenzüberschreitend zirkulierten und im Zusammenhang mit transnationalen Herausforderungen wie dem wirtschaftlichen Wiederaufbau, der finanziellen Stabilität, dem Minderheitenschutz und der kollektiven Sicherheit diskutiert wurden.
Vor diesem Hintergrund möchte die Veranstaltung Mitteleuropa nicht nur als Raum von Konflikt und Fragmentierung, sondern auch als Laboratorium regionaler und gesamteuropäischer Zusammenarbeit neu betrachten. Damit soll sie zu einem vertieften Verständnis der intellektuellen und politischen Ursprünge des europäischen Integrationsprozesses sowie der besonderen Rolle mitteleuropäischer politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Akteure beitragen. Zugleich lädt sie dazu ein, über die Aktualität der Debatten der Zwischenkriegszeit im Hinblick auf gegenwärtige europäische Herausforderungen nachzudenken. Die erneute Auseinandersetzung mit den frühen Versuchen regionaler und gesamteuropäischer Zusammenarbeit in Zeiten der Krise kann dazu beitragen, die heutigen Debatten über die Zukunft der Europäischen Union und die Rolle ihrer mitteleuropäischen Mitgliedstaaten zu bereichern.
Programm
9.30–10.00 Anmeldung und Kaffee
10.00–10.15 Eröffnung
Gergely Prőhle, Direktor, Otto-von-Habsburg-Stiftung
10.15–10.45 Keynote
Péter Ákos Bod, Professor; ehemaliger Minister für Industrie und Handel; ehemaliger Präsident der Ungarischen Nationalbank
10.45–11.45 Impulsvorträge
Catherine Horel, Forschungsdirektorin am CNRS; Präsidentin des Internationalen Komitees für Geschichtswissenschaften
Das neue Gleichgewicht in Mitteleuropa unter Frankreichs Patronat
Anita Ziegenhofer, Professorin für Rechtswissenschaften, Universität Graz
Paneuropa und die Vision eines vereinten Europa
11.45–12.00 Kaffeepause
12.00–13.30 Panel I. Netzwerke der Zusammenarbeit: Hantos und die mitteleuropäischen Visionäre der Zwischenkriegszeit
Gabriel Godeffroy, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Prager Außenstelle, Collegium Carolinum
Ein ungarischer Pionier der europäischen Integration? Elemér Hantos’ Ideen und Initiativen zur regionalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit im posthabsburgischen Mitteleuropa
János Zsugyel, außerordentlicher Professor i.R., Wirtschaftshochschule Budapest
Elemér Hantos’ mitteleuropäische Integrationsvorstellungen im Spiegel der historischen Realitäten
Vince Paál, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Medienwissenschaften, Nationale Medien- und Infokommunikationsbehörde
Gustav Gratz’ Vorstellungen von der mitteleuropäischen Zusammenarbeit
Gergely Fejérdy, Stellvertretender Direktor, Otto-von-Habsburg-Stiftung
Paul Auer und die Idee der mitteleuropäischen Zusammenarbeit
Moderation: Gábor Ujváry, Stellvertretender, VERITAS Institut für Geschichtsforschung und Archiv
13.30–14.30 Mittagessen
14.30–16.00 Panel II. Entwürfe für Europa: Wirtschaftliche und politische Vorstellungen von Zusammenarbeit
Magdolna Ágnes Gedeon, Fakultät für Staats- und Rechtswissenschaften der Universität Miskolc
Der Empfang der deutschen Mitteleuropapläne in Ungarn
Simon Neumaier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Europäisches Hochschulinstitut, Florenz
Mitteleuropa im internationalen wirtschaftlichen Denken des 20. Jahrhunderts
László Pallai, Universitätsdozent, Universität Debrecen
Der Integrationsgedanke und die ungarische Außenpolitik in der Zwischenkriegszeit
Bence Kocsev, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Otto-von-Habsburg-Stiftung
Die Vereinigten Staaten der Donau. Ein liberales Konzept für Mitteleuropa
Moderation: Gábor Egry, Institut für Politikgeschichte
16.00–16.15 Schlusswort
Die Konferenz findet in ungarischer und deutscher Sprache statt. Eine Simultanübersetzung wird angeboten.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!