Ein ikonisches Gebäude aus der Zeit nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 ist die sogenannte Swoboda-Villa, auch Casa Austria genannt, am Rande von Salzburg. Das 1869 fertiggestellte, turmbewehrte Gebäude im Stil der Neorenaissance, eingebettet in einen drei Hektar großen englischen Landschaftspark, war Schauplatz zahlreicher historischer Ereignisse. In Auftrag gegeben wurde es von dem Wiener Pharmahändler Wilhelm Swoboda; entworfen wurde es von Karl Sattler auf einem Grundstück, das 1866 vom Bischof von Chiemsee erworben worden war. Im Mai 1881 beherbergte die Villa Kronprinz Rudolf, den Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth („Sisi“), sowie seine Gemahlin, Prinzessin Stéphanie von Belgien. Da die Prinzessin die Strenge der kaiserlichen Paläste nicht schätzte, entschied sich das Paar, einen Teil seiner Flitterwochen hier und nicht im nahegelegenen Schloss Hellbrunn zu verbringen.
Villa Swoboda in Salzburg. Farbholzschnitt von Angerer & Göschl nach F. Hinterholzer, um 1890.
Die Villa wurde 1904 von Gräfin Sophie Moÿ de Sons, bayerisch-französischer Herkunft, erworben. Nach ihrem Tod im Jahr 1950 ging sie an ihren Neffen, Graf Johannes von Moÿ, über. In den 1990er Jahren stellte er das Anwesen Karl Habsburg-Lothringen, dem ältesten Sohn von Otto von Habsburg, zur Verfügung; später ging es in den Besitz der Familie Habsburg über. Das heutige Oberhaupt des Hauses Habsburg bewahrte hier einen Teil des Nachlasses seines Vaters auf, der nun unserer Stiftung anvertraut wurde.
Am 19. und 20. April nahmen wir unter der Aufsicht von Gergely Prőhle, dem Direktor der Stiftung, die wertvollen Dokumente und Gegenstände in Verwahrung. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen von Karl Habsburg-Lothringen wurde das sorgfältig vorbereitete Material von seiner Schwester, Erzherzogin Gabriela, übergeben. Von besonderer Bedeutung ist der Fund von Terminkalendern des ehemaligen Thronfolgers in den Kisten, die lange Zeit als verloren galten. Diese Aufzeichnungen sind von herausragendem historischem Wert: Sie zeugen von Otto von Habsburgs außergewöhnlich dichtem Terminplan und bieten wesentliche Anhaltspunkte für die Rekonstruktion seines Lebens, seines Beziehungsnetzes und der Ereignisse jener Zeit.
Zu dem an die Stiftung übergebenen Material gehört auch ein umfangreicher Bestand an Dokumenten, der sich vor allem auf die 1950er- und 1960er-Jahre bezieht, sowie die vollständige Sammlung der gedruckten Schriften des ehemaligen Kronprinzen und persönliche Gegenstände wie Orden und Kinderspielzeug. Zudem ist ein Teil der Bibliothek von Thomas Chaimowicz, einem ehemaligen Salzburger Philosophieprofessor und engen Vertrauten Otto von Habsburgs, in unseren Bestand eingegangen.
Mit dem Eigentümerwechsel der Casa Austria beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte dieser bedeutenden Villa. Gleiches gilt für die Arbeit der Stiftung: Die Aufarbeitung der Terminkalender eröffnet neue Perspektiven für unsere Forschungsarbeit. Sie ermöglicht eine präzisere Datierung von Ereignissen, vertieft das Verständnis für das Leben des ehemaligen Thronfolgers und trägt zu einer differenzierteren Darstellung des bleibenden geistigen Erbes unseres Namensgebers bei.












