Im Jahr 1954 hielt der Erzherzog einen Vortrag im historischen Hauptsitz der Sociedad Bilbaina vor großem Publikum. In seiner Rede mit dem Titel L’Europe entre l’Est et l’Ouest erinnerte er an die Gastfreundschaft und Solidarität, die seine Familie in den 1920er Jahren in Spanien und insbesondere im Baskenland erfahren hatte. Das Land war nicht nur einer der prägenden Orte seiner Jugend, sondern auch ein immer wiederkehrender Bezugspunkt in seinem Denken über Europa. Er war der Überzeugung, dass der Kontinent seine Freiheit nur bewahren könne, wenn er seinem westlichen zivilisatorischen Erbe und seinen christlichen Wurzeln treu bleibe; dabei maß er dem spanischen Beitrag besondere Bedeutung bei. Auch in späteren Jahren spielte das iberische Land für ihn eine zentrale Rolle: Beim Aufbau seines umfangreichen Netzwerks arbeitete er eng mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft Spaniens zusammen, und als Mitglied des Europäischen Parlaments setzte er sich konsequent für die euro-atlantische Integration Spaniens ein.
Diese facettenreiche Beziehung stand im Mittelpunkt der Konferenz in Bilbao, die von unserer Stiftung in Zusammenarbeit mit der ungarischen Botschaft in Madrid organisiert wurde. Gastgeber der Veranstaltung war derselbe, 1839 gegründete Club, in dem der ehemalige Thronfolger zweiundsiebzig Jahre zuvor gesprochen hatte und der bis heute zu den angesehensten Treffpunkten der lokalen Elite zählt.
Neben Mitgliedern des Vereins und Vertretern des Konsularkorps war auch die lokale ungarische Gemeinschaft zahlreich vertreten. Den Abend eröffneten Juan Ignacio Goiria Ormazábal, Präsident der Sociedad Bilbaina, und Juan Carlos Pérez de Unzueta Arrieta, Honorarkonsul von Ungarn. Anschließend stellte der stellvertretende wissenschaftliche Direktor Gergely Fejérdy die breit gefächerten wissenschaftlichen Aktivitäten unserer Stiftung vor. Danach präsentierte Szilveszter Dékány anhand ausgewählter Archivfotos aus unserer Sammlung das Leben unseres Namensgebers. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Exil der Familie im Baskenland: Bilder aus Lekeitio und Umgebung vermittelten Einblicke in ihren Alltag und ihre Verbindungen zur Region.
An der Podiumsdiskussion nahmen Georg Habsburg-Lothringen, Ungarns Botschafter in Madrid, und José Luis Orella Martínez, Professor an der Universität CEU San Pablo, teil; die Moderation übernahm der Kulturattaché Balázs József. Die Diskussion begann mit persönlichen Erinnerungen des Sohnes von Otto von Habsburg. Er berichtete, dass er seit seiner Kindheit viel Zeit in Spanien verbracht habe, wo er die Kultur des Landes hautnah erleben und dauerhafte persönliche wie auch berufliche Beziehungen aufbauen konnte. Anschließend wandte sich das Gespräch den iberischen Verbindungen seines Vaters zu, insbesondere den Jahren in Lekeitio, die in der Erinnerung der Familie bis heute lebendig geblieben sind. Der Botschafter berichtete, dass sein Vater auch die baskischen Traditionen gut kennengelernt habe. „Ich erinnere mich, dass er sogar die Zahlen auf Baskisch kannte und auch Lieder wusste. Wir verbrachten unsere Sommer in Benidorm, wo wir ein Haus haben, und dort sang er immer baskische Lieder.“
Neben den familiären Aspekten befasste sich die Diskussion auch mit der (geo-)politischen Stellung Spaniens im Denken Otto von Habsburgs. Die Teilnehmer hoben die Bedeutung der Revolution von 1956 hervor und betonten, dass Spanien auf internationaler Ebene nicht nur als einziges Land diplomatische und humanitäre Unterstützung leistete, sondern auch die Möglichkeit einer militärischen Hilfe in Betracht zog. José Luis Orella wies darauf hin, dass sein Land bereits in den ersten Jahrzehnten des Kalten Krieges Flüchtlingen und Dissidenten aus Ost- und Mitteleuropa Zuflucht gewährte; Katholiken, Protestanten und orthodoxe Christen fanden dort gleichermaßen ein offenes Umfeld.
Schließlich widmete sich das Gespräch auch dem Anliegen der europäischen Einheit, Otto von Habsburgs Vorstellungen zur europäischen Integration sowie seiner Arbeit im Europäischen Parlament. Dabei wurde insbesondere seine Rolle bei der Förderung des Beitritts Spaniens zu den Europäischen Gemeinschaften im Jahr 1986 hervorgehoben.
Zum Abschluss des Programms hatten die Besucher Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen, die das Leben und Erbe unseres Namensgebers präsentiert.
Anlässlich der Veranstaltung reisten Georg Habsburg-Lothringen und Mitglieder unserer Stiftung auch nach Lekeitio, wo die im Exil lebende Familie in den 1920er Jahren ihren Wohnsitz hatte. Obwohl sich die ruhige Küstenstadt seitdem erheblich verändert hat, bewahrt der Garten der ehemaligen Villa Uribarren bis heute die Erinnerung an eines der prägenden Kapitel in Otto von Habsburgs Jugend. In den vergangenen Jahren hat unsere Stiftung die Fotosammlung aus dieser Zeit erschlossen und systematisch aufgearbeitet; zahlreiche Aufnahmen dokumentieren den Alltag der Familie in Lekeitio. Der Besuch der historischen Schauplätze ergänzte daher nicht nur das Bild, das sich aus dem Archivmaterial ergibt, sondern machte auch den räumlichen Rahmen, in dem sich das Leben der Familie einst abspielte, unmittelbar erfahrbar.























