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Baden 100: Unsere gemeinsame Vergangenheit in den Archiven

Am 10. Juni 2026 veranstaltete die ungarische Botschaft in Wien eine Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Badener Archivabkommens.

Baden 100: Unsere gemeinsame Vergangenheit in den Archiven

Am 10. Juni 2026 veranstaltete die ungarische Botschaft in Wien eine Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Badener Archivabkommens.

Das vor hundert Jahren in dem niederösterreichischen Kurort unterzeichnete Dokument regelte den Zugang zu den Archivbeständen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie nach deren Auflösung. Es sah zudem vor, dass der ungarische Staat einen Archivar in die österreichische Hauptstadt entsenden sollte, dessen Aufgabe es war, die dort forschenden Wissenschaftler zu unterstützen und deren Arbeit zu koordinieren. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts habe dieses Abkommen zahlreiche bemerkenswerte wissenschaftliche Errungenschaften ermöglicht, erinnerte Csaba Szabó, Generaldirektor des Ungarischen Nationalarchivs. Im Anschluss an die Begrüßungsrede von Botschafterin Edit Szilágyiné Bátorfi hob er die Vorteile des Abkommens aus ungarischer Sicht hervor.

Helmut Wohnout, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, skizzierte die Geschichte des Abkommens und betonte die Weitsicht der Vertragsparteien. Die Verfasser des Dokuments erkannten, dass es nicht ratsam wäre, die Archivbestände unserer gemeinsamen Geschichte, die in der Zeit nach der Schlacht bei Mohács begann, aufzuteilen. Stattdessen müsse im Geiste des gegenseitigen Vertrauens das vorrangige Ziel darin bestehen, den Zugang für Forscher zu gewährleisten. Helmut Wohnout dankte auch den ungarischen Archivaren persönlich für ihre hervorragende Zusammenarbeit und erwähnte dabei die Otto-von-Habsburg-Stiftung als eine der Partnerinstitutionen.

Gergely Prőhle bedankte sich für die Ehre, zu dieser Veranstaltung eingeladen worden zu sein, und betonte, dass unser Beitrag nur eine bescheidene Ergänzung zu den zahlreichen Ergebnissen darstelle, die im Rahmen des Abkommens in den vergangenen hundert Jahren erzielt worden seien. Zugleich hob er hervor, dass die Arbeit der vor zehn Jahren gegründeten Otto-von-Habsburg-Stiftung zeige, wie die Erforschung, Aufarbeitung und Vermittlung unseres gemeinsamen historischen Erbes der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und ihren Forschenden neue Impulse verleihen könne.

Als eindrucksvolles Beispiel hierfür stellte der Direktor unserer Stiftung das Logbuch des Kreuzers SMS Novara vor, das kürzlich in unser Archiv aufgenommen wurde. Das reich bebilderte Dokument, das zahlreiche Fotografien enthält, wurde Otto von Habsburg 1961 anlässlich seines zehnten Hochzeitstags zugesandt und stieß bei den anwesenden Experten auf großes Interesse. Das zwischen dem 23. Mai 1915 und dem 31. Oktober 1918 verfasste Logbuch dokumentiert auch das Schicksal der SMS Szent István, des größten österreichisch-ungarischen Schlachtschiffs, das am 10. Juni 1918 versenkt wurde. Die Übereinstimmung zwischen dem Datum dieses tragischen Ereignisses und der 108 Jahre später stattfindenden Gedenkfeier wurde durch Beethovens stimmungsvolles „Geistertrio“, vorgetragen von Studierenden der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest, musikalisch passend untermalt. Die Veranstaltung endete mit einem Empfang.