Die bekannte Erzählung folgt der Liebesgeschichte zwischen einer singenden Nonne und Kapitän Georg von Trapp, einem verwitweten Marineoffizier, der seine sieben Kinder allein großzieht – vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Bedrohung und der malerischen Kulisse Salzburgs. Doch das Schicksal der Familie von Trapp wurde ebenso durch das Erbe der Habsburgermonarchie, die Erfahrung des Exils und den entschlossenen Widerstand gegen totalitäre Regime geprägt.
Unter den vielen berühmten Liedern des Musicals ragt My Favorite Things als einer der ikonischsten Titel der Produktion von 1959 heraus. In dieser Szene versucht Maria – in der Verfilmung von 1965 von Julie Andrews dargestellt – die verängstigten Kinder, die sich um ihr Bett versammelt haben, zu beruhigen, indem sie ihre „Lieblingsdinge“ aufzählt. Das von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein geschriebene Lied wurde seither zu einem Klassiker des Great American Songbook. Selbst Zuhörerinnen und Zuhörer, die mit der gesamten Geschichte nicht vertraut sind, werden vielleicht über die Zeile „schnitzel with noodles“ stolpern, die sich auf „crisp apple strudels“ reimt – leicht erkennbare Anspielungen, die eine unverkennbar mitteleuropäische Atmosphäre heraufbeschwören und an Strudel, Wiener Schnitzel und Kartoffelnudeln erinnern.
Die in der Sammlung unserer Stiftung aufbewahrten Dokumente zeigen, dass die Beziehung zwischen der Familie von Trapp und den im Exil lebenden Habsburgern weit mehr war als eine bloße höfliche Bekanntschaft. Über die gegenseitige Zuneigung hinaus verband die beiden Familien die gemeinsame, schmerzliche Erfahrung des Exils.
Das Musical, das auf den Memoiren Maria von Trapps basiert, und seine spätere Hollywood-Verfilmung machten die Trapp Family Singers weltberühmt. Um die dramatische Wirkung zu steigern, weicht die Geschichte jedoch in mehreren wesentlichen Punkten von den historischen Tatsachen ab. Anders als der im Film dargestellte strenge und emotional distanzierte Vater war Georg von Trapp in Wirklichkeit ein warmherziger Familienmensch, der selbst die Musik liebte. Auch floh die Familie nicht zu Fuß über die Alpen aus Österreich; nach dem Anschluss verließ sie das Land auf legalem Weg mit dem Zug.
Sein familiärer Hintergrund prägte die ersten Stationen von Georgs Laufbahn nahezu zwangsläufig. Sein Vater, ein angesehener Fregattenkapitän der österreichisch-ungarischen Marine (k.u.k. Kriegsmarine), sicherte sich als Kommandant eines vor der Zerstörung bewahrten Kriegsschiffes einen festen Platz in der Militärgeschichte. Georg setzte diese maritime Tradition fort; zugleich war sein Leben in mehrfacher Hinsicht mit der ungarischen Elite verbunden. Seine Kriegsverdienste und die Welt der kaiserlich-königlichen Marine prägten das kollektive Gedächtnis der Familie nachhaltig, und die Verbindungen der Familie zum Haus Habsburg blieben auch während der Jahre des Exils bestehen.
Georgs erste Frau war Agathe Whitehead, Enkelin des englischen Ingenieurs Robert Whitehead, des Erfinders des ersten einsatzfähigen selbstangetriebenen Torpedos. Das Paar verbrachte einen Großteil seines Lebens in Fiume, dem Sitz der Whitehead-Torpedofabrik.
Vor ihrer Emigration nahm das Schicksal der Familie jedoch eine düstere Wendung. Agathe starb in jungem Alter, und während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre verlor die Familie durch den Zusammenbruch einer Bank ihr Vermögen. Von diesem Zeitpunkt an wurde das gemeinsame Singen zu einem Mittel des Überlebens. Ihre Lebenshaltung wurde von einem Leitgedanken geprägt, der im Salzburger Stift Nonnberg verwurzelt war und insbesondere von Georgs zweiter Frau, Maria von Trapp – geborene Kutschera und ehemalige Nonne – verkörpert wurde. Der Gedanke beruhte auf der Überzeugung, dass der Mensch seine wahre Berufung nur durch die beständige Suche nach Gottes Willen finden kann.
Die Familie von Trapp in den Vereinigten Staaten, 1939
Foto: Library of Congress, LC-DIG-ds-03556
Von Italien aus gelangte die große Familie schließlich über London in die Vereinigten Staaten. Dort kamen die von Trapps bald mit der Familie Habsburg in Kontakt, die ebenfalls durch die nationalsozialistische Bedrohung ins Exil gezwungen worden war, und bekundeten offen ihre Loyalität zum Haus Habsburg. Im August 1940 überreichte Maria von Trapp der im Exil lebenden kaiserlichen Familie eine österreichische Madonnenstatue sowie von ihren Kindern angefertigte Handarbeiten. Die bewegte Antwort aus dem Sekretariat von Kaiserin Zita verdeutlicht, welche Bedeutung solche Gesten für Menschen hatten, die fern ihrer Heimat lebten:
„All diese Werke, die von treuen österreichischen Händen für die im Exil lebenden Verwandten der Kaiserin und des Kaisers geschaffen wurden, bereiteten der kaiserlichen Familie große Freude. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie tief Ihre Majestäten und alle Erzherzöge und Erzherzoginnen bewegt waren, als das Paket eintraf und ausgepackt wurde. Eine so schöne österreichische Madonna hier zu besitzen, so weit von der Heimat entfernt, ist ein ganz besonderer Trost.“
Ein Jahr später wandte sich Erzherzogin Adelheid – die Schwester Otto von Habsburgs – offiziell an die amerikanischen Einwanderungsbehörden, um sich für die Familie von Trapp einzusetzen. Erhaltene Unterlagen zeigen zudem, dass Erzherzog Otto selbst gemeinsam mit mehreren seiner Geschwister Unterstützungsschreiben an amerikanische Behörden richtete.
Quelle: HOAL I-10-sz.n.9. 61.d.
In den ersten Kriegsjahren besuchte Otto von Habsburg den ehemaligen Marineoffizier, der einst unter der Flagge der Monarchie gedient hatte, persönlich in dessen Haus in Pennsylvania. Diese Verbindung blieb auch in den folgenden Jahren bestehen. Als Georg von Trapp 1947 starb, bedeuteten Maria von Trapp die Beileidsbekundungen von Kaiserin Zita und Otto von Habsburg besonders viel. In ihren Memoiren erinnerte sie sich:
„Zwei Nachrichten haben mich besonders tief bewegt. Sie bezogen sich auf ‚Baron Trapp, den heldenhaften Ritter Maria Theresias‘. Die eine war von Zita unterzeichnet, die andere von Otto. Sie stammten von der österreichischen Kaiserin und ihrem ältesten Sohn. Ich legte die beiden Telegramme neben seine Auszeichnung.“[1]
Die gemeinsame Erfahrung des Exils, ein geteiltes mitteleuropäisches Erbe und die gegenseitige Ablehnung totalitärer Ideologien schufen eine Verbindung zwischen der Familie von Trapp und dem Haus Habsburg, die durch die in unserer Sammlung bewahrten Dokumente anschaulich nachvollziehbar wird. Diese Briefe zeugen nicht nur von persönlichen Beziehungen, sondern auch von der lebendigen Erinnerung an eine untergegangene Welt.
Das Interesse an der Geschichte der Familie von Trapp ist bis heute ungebrochen. Im Herbst 2026 eröffnet im Schloss Hellbrunn in Salzburg die Ausstellung Sound of Music Salzburg, die sowohl die Geschichte der Familie von Trapp als auch den historischen Hintergrund des weltberühmten Films einem breiten Publikum näherbringt.
Eszter Gaálné Barcs
[1] Maria Augusta Trapp: The Story of the Trapp Family Singers. J. B. Lippincott Company, Philadelphia, 1949.
