Nachrichten


Archivare treffen sich in Oradea

Vier Mitglieder der Otto-von-Habsburg-Stiftung nahmen an der 37. Jahrestagung des Verbandes Ungarischer Archivarinnen und Archivare teil, die vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2026 in Oradea (Nagyvárad) stattfand.

Archivare treffen sich in Oradea

Vier Mitglieder der Otto-von-Habsburg-Stiftung nahmen an der 37. Jahrestagung des Verbandes Ungarischer Archivarinnen und Archivare teil, die vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2026 in Oradea (Nagyvárad) stattfand.

Der diesjährige Veranstaltungsort einer der wichtigsten Fachtagungen für Archivare in Ungarn hatte angesichts der Verbindung Otto von Habsburgs zu dieser Stadt eine besondere Bedeutung. Der ehemalige Thronfolger besuchte Oradea im Mai 1993 anlässlich der Varadinum-Feierlichkeiten. Bei dieser Gelegenheit führte die ungarischsprachige Zeitung Erdélyi Napló im römisch-katholischen Bistum Oradea ein Exklusivinterview mit ihm, in dem er über die Zukunft des Zusammenlebens in Mittel- und Osteuropa reflektierte und bemerkte: „Ich habe immer geglaubt, dass es von größter Bedeutung ist, dass die Völker einander kennenlernen und verstehen.“

Mehr als drei Jahrzehnte später wurde im Festsaal desselben Bistums die dreitägige Jahrestagung des Verbandes Ungarischer Archivarinnen und Archivare offiziell eröffnet. Die Otto-von-Habsburg-Stiftung wurde durch Szilveszter Dékány, Eszter Gaálné Barcs, Piroska Kocsis und Ádám Suslik vertreten. Die Teilnehmer wurden von István Kenyeres, dem Präsidenten des Verbands, und Bischof László Böcskei begrüßt. In seiner Eröffnungsrede betonte Zsolt Sári, Staatssekretär für öffentliche Sammlungen und den Schutz des kulturellen Erbes, das Engagement der neuen Regierung für einen konstruktiven Dialog mit den Berufsverbänden sowie den in Museen, Bibliotheken und Archiven Tätigen.

Der Tradition folgend begann die Konferenz mit der Verleihung des renommierten Klára-Dóka-Preises und des Lajos-Osváth-Preises. Letzterer ist in besonderer Weise mit Oradea verbunden, da sein Namensgeber ab 1901 zwei Jahrzehnte lang als Chefarchivar des Komitats Bihar in der Stadt tätig war. In diesem Jahr wurde zudem erstmals der vom Rat der Direktoren der ungarischen Archive ins Leben gerufene László-Á.-Varga-Preis verliehen, der an László Szögi ging. Das Programm des Eröffnungstages endete mit einer Reihe historischer Vorträge zum 500. Jahrestag der Schlacht bei Mohács, in denen die Folgen der Niederlage, die Rolle Oradeas in der Zeit danach sowie die historische Bedeutung der kirchlichen Institutionen der Stadt beleuchtet wurden.

Am zweiten Vormittag fanden parallele Sitzungen statt, die sich den Themen internationale Zusammenarbeit, Informationstechnologie, Bestandserhaltung, Archivmanagement und Archivausbildung widmeten. Im Bereich „Historische Quellen“ hielt unsere Kollegin Piroska Kocsis einen Vortrag über die Herausforderungen der medizinischen Versorgung während der ungarischen Revolution von 1956. Dabei beleuchtete sie auch die internationalen Aktivitäten Otto von Habsburgs und zeigte auf, wie er versuchte, sein umfangreiches internationales Netzwerk in den Dienst der ungarischen Sache zu stellen.

Am Abschlusstag konzentrierten sich die Diskussionen auf die Digitalisierung der staatlichen und kirchlichen Archive Rumäniens sowie auf gemeinsame Bemühungen zur Erschließung des dokumentarischen Erbes einer gemeinsamen Vergangenheit. Diese Themen sind für die Otto-von-Habsburg-Stiftung von besonderer Relevanz, da die Organisation, Digitalisierung, Erhaltung und Zugänglichkeit unserer Bestände einen wesentlichen Teil unserer täglichen Arbeit ausmachen.

Die Konferenz machte zudem deutlich, dass die Arbeit von Archivarinnen und Archivaren weit über die Erhaltung und Aufbereitung historischer Unterlagen hinausgeht. Sind Archivquellen erst einmal zugänglich gemacht, können sie neue Forschungsansätze anregen, die fachliche Zusammenarbeit fördern und einen fruchtbaren Dialog ermöglichen. Diese Sichtweise spiegelt die Worte Otto von Habsburgs wider, die er 1993 in Oradea äußerte: Das Verständnis für die Vergangenheit des anderen sei eine der wesentlichen Grundlagen für gegenseitiges Verständnis.