Das Archiv der Otto-von-Habsburg-Stiftung wächst weiter. Dank Karl Habsburg-Lothringen, dem Sohn des Namensgebers unserer Stiftung, erhielten wir kürzlich einen umfangreichen Bestand an Korrespondenz aus dem 19. Jahrhundert. Der Erwerb aus Österreich erweitert zudem den zeitlichen Rahmen unserer Bestände erheblich. Als Familienoberhaupt erbte Otto von Habsburg schriftliche Aufzeichnungen, die die gesamte Dynastie betreffen, sodass das Archiv weit über seine persönlichen Unterlagen hinausgeht.
Viele dieser unschätzbaren Dokumente weisen Altersspuren und natürliche Abnutzungserscheinungen auf und müssen daher einer konservatorischen Begutachtung unterzogen werden. Einige können erst dann vollständig erschlossen werden, wenn die notwendigen Konservierungsmaßnahmen abgeschlossen sind.
Im Mittelpunkt des Materials steht vor allem Karolina Augusta, Kaiserin von Österreich (1792–1873). Als Prinzessin aus dem Hause Wittelsbach trat sie als vierte Ehefrau von Kaiser Franz I. von Österreich in den Wiener Hof ein und wurde bald zu einer mütterlichen Figur innerhalb der kaiserlichen Familie. Durch ihren umfangreichen Briefwechsel hielt sie engen Kontakt zu Mitgliedern der weit verstreuten Dynastie und stand jüngeren Verwandten oft mit Rat zur Seite.
Die Unterlagen umfassen Nachlassangelegenheiten und Haushaltsrechnungen sowie an die Kaiserin gerichtete Bittgesuche, die für die Forschung gleichermaßen wertvoll sind. Von besonderer Bedeutung ist ihre private Familienkorrespondenz.
Schon in dieser frühen Phase konnten zwei umfangreiche Gruppen identifiziert werden. Die eine umfasst den Briefwechsel zwischen Karolina Augusta und ihrem Stiefenkel Erzherzog Maximilian, dem späteren Kaiser von Mexiko. Mit fast fünfzig Dokumenten belegt er ihre herzliche und vertraute Beziehung von den Revolutionen des Jahres 1848 bis 1866. Die zweite besteht aus mehreren hundert Briefen, die über viele Jahrzehnte hinweg zwischen Karolina Augusta und ihrer Nichte Adelgunde, Herzogin von Modena, ausgetauscht wurden.
Die archivische Aufarbeitung des bei der Stiftung eingegangenen, 1,72 Laufmeter umfassenden Materials auf Einzelstückebene sowie die Erstellung eines Findbuchs werden von Dr. Gábor Ladányi durchgeführt, einem auf diese Epoche spezialisierten Historiker und Archivar.



