Burgenlandkroaten begrüßen Otto von Habsburg anlässlich seines 60. Geburtstags.
Die Doppelausgabe der Rendszerváltó Szemle [Ungarische Studien zur Wende] (Jahrgang XI, Nr. 2–3) mit dem Titel „Európai utas“ [Europäischer Reisender] erschien am 21. September. In der Zeitschrift des Forschungsinstituts und Archivs für die Geschichte der ungarischen Wende (RETÖRKI) untersucht der stellvertretende wissenschaftliche Direktor unserer Stiftung Otto von Habsburgs Engagement für den Zusammenhalt des Donauraums vor dem Hintergrund der Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
Geprägt von seiner Familientradition und gestützt auf seine umfassenden historischen und geopolitischen Kenntnisse entwickelte der ehemalige Thronfolger eine klare und unerschütterliche Vorstellung von Mitteleuropa. Er war überzeugt, dass die Österreichisch-Ungarische Monarchie trotz ihrer Vielfalt ein zusammenhängendes Ganzes bildete und ihre Zerschlagung das europäische Gleichgewicht und die Sicherheit des Kontinents gefährdet hatte. Die deutsche und später auch die russische Expansion führte er darauf zurück, dass an die Stelle der Habsburgermonarchie einander feindlich gesinnte Staaten getreten waren, deren Grenzen häufig jeder historischen Logik widersprachen.
Seit Beginn des Kalten Krieges betrachtete er die sowjetische Besatzung als widernatürlich und ihr letztendliches Ende als unausweichlich. Die Ereignisse in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 bestärkten ihn in dieser Einschätzung, die durch den Zusammenbruch der kommunistischen Regime im Jahr 1989 schließlich bestätigt wurde.
Von der europäischen Integration erwartete er, dass sie nach dem Subsidiaritätsprinzip die Völker des Donauraums wieder zusammenführen und die Einheit der einstigen Reichsgebiete wiederherstellen würde. Obwohl er nach 1989 keine Möglichkeit für Grenzänderungen sah, strebte er eine engere Zusammenarbeit der Nachfolgestaaten der Monarchie im Rahmen der Europäischen Union an.
Bis zu seinem Lebensende vertrat er die Auffassung, dass Mitteleuropa – das er als Donauraum verstand – eine eigenständige Gemeinschaft innerhalb Europas bilde. Er setzte sich persönlich für deren Erhalt und Stärkung ein und rief auch die politischen Entscheidungsträger der betreffenden Länder dazu auf. Der Artikel beleuchtet die historischen und politischen Hintergründe dieser konsequent vertretenen Sichtweise und ist nachstehend in ungarischer Sprache abrufbar.