Die Glückwünsche und Geschenke, die anlässlich der am 10. Mai 1951 in Nancy gefeierten Hochzeit eingingen, verdeutlichen das weitverzweigte Beziehungsnetz des ehemaligen Thronfolgers eindrucksvoll. Das junge Paar wurde von Mitgliedern königlicher Familien, Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beglückwünscht – darunter auch Winston Churchill.
Ein Teil der Glückwünsche und Andenken wird von unserer Stiftung aufbewahrt. Eines der außergewöhnlichsten Stücke darunter ist das Geschenk des britischen Staatsmannes, der dem Ehepaar eine repräsentative Luxusausgabe seiner Biografie über seinen berühmten Vorfahren, den Herzog von Marlborough (Marlborough. His Life and Times I–II. George G. Harrap & Co. Ltd., London, 1947), überreichte. Dieses Werk trug maßgeblich zu seinem späteren Nobelpreis für Literatur im Jahr 1953 bei. In den in rotes Leder gebundenen, mit Goldschnitt und vergoldetem Wappen verzierten Büchern sind die handschriftlichen Zeilen des Autors zu lesen. Den ersten Band widmete er mit den Worten „To His Imperial Highness The Archduke Otto of Austria from Winston S. Churchill“ (An Seine Kaiserliche Hoheit, den Erzherzog Otto von Österreich, von Winston S. Churchill), während er im zweiten Band seine guten Wünsche mit den Worten „From Winston Churchill with every good wish for future happiness“ (Von Winston Churchill mit den besten Wünschen für zukünftiges Glück) zum Ausdruck brachte. In unserer Sammlung befindet sich eine zweibändige Luxusausgabe der ursprünglich vierbändigen Fassung des Werks.
Diese Geste mit ihrem vertraulichen Tonfall ist kein Zufall: Winston Churchill und Otto von Habsburg standen in enger, man könnte sogar sagen freundschaftlicher Beziehung zueinander; sie kannten sich bereits seit den 1930er Jahren. Der junge Habsburg suchte den konservativen Politiker 1938 persönlich auf. Churchill war zu diesem Zeitpunkt bereits einer der bekanntesten Kritiker der nachgiebigen britischen Politik gegenüber Hitler und setzte sich in seiner Rede nach dem Anschluss entschieden für die Sache Mitteleuropas ein.
Sie standen in regelmäßigem Kontakt – direkt oder über Ottos jüngeren Bruder, Erzherzog Robert, der während des Zweiten Weltkriegs in London lebte. Otto fand ab dem Sommer
1940 Zuflucht in den Vereinigten Staaten und führte während der zweiten Konferenz von Québec auch ein Vier-Augen-Gespräch mit Churchill. Seinem Tagebucheintrag zufolge aßen sie am 17. September 1944 um 13:15 Uhr gemeinsam zu Mittag und spazierten anschließend fünfzig Minuten lang im Park der Zitadelle von Québec. Der Eintrag belegt auch, dass sie sich am selben Tag zwischen 17 und 18 Uhr erneut trafen.
Aus Ottos späteren Erinnerungen ist zudem bekannt, dass er, als ihn beunruhigende Nachrichten aus Österreich erreichten, sogar Churchills Nachmittagsruhe unterbrach, um ihm seine Bedenken mitzuteilen. Seinen Angaben zufolge empfing ihn der Premierminister in einem rosafarbenen Pyjama zu einer kurzen Besprechung. Nach dem Krieg besuchte Otto den Staatsmann mehrmals im Jahr in London. Bei ihren Treffen kamen häufig die Zukunft Europas und die Frage der europäischen Einheit zur Sprache. Nach dem Tod des Politikers im Jahr 1965 erinnerte der ehemalige Thronfolger in zahlreichen Vorträgen an ihn.
Das vor 75 Jahren in Nancy, Frankreich, ausgepackte Hochzeitsgeschenk ist somit nicht nur eine bibliografische Rarität oder eine persönliche Aufmerksamkeit, sondern auch ein greifbares Andenken an eine außergewöhnliche historische Verbindung.
Gergely Fejérdy und Eszter Gaálné Barcs
In diesem Jahr beteiligt sich auch unsere Stiftung an der Veranstaltungsreihe „Nacht der Museen“. Am 20. Juni können die Besucher bei der „Dynastische Hochzeiten“ anhand besonderer Exponate aus unserer Sammlung die Geschichte der beiden Habsburger Hochzeiten kennenlernen, während themenbezogene Vorträge spannende Einblicke in die Traditionen jener Zeit bieten. Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung finden Sie hier.

