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Nacht der Museen: Dynastische Hochzeiten

In diesem Jahr beteiligte sich unsere Stiftung erstmals an der Veranstaltungsreihe „Nacht der Museen“.

Nacht der Museen: Dynastische Hochzeiten

In diesem Jahr beteiligte sich unsere Stiftung erstmals an der Veranstaltungsreihe „Nacht der Museen“.

Bei der Vorbereitung des abendfüllenden Programms, das auf großes Interesse stieß, war es unser Ziel, den Besucherinnen und Besuchern die spannendsten Exponate aus unserer Sammlung, das Fachwissen unserer geladenen Referenten sowie die besondere Atmosphäre der vorgestellten Zeiten näherzubringen. Als roter Faden dienten die Jahrestage zweier königlicher Hochzeiten: der 115. Jahrestag der Vermählung der Eltern Otto von Habsburgs, Kaiser Karl von Österreich und Kaiserin Zita, sowie der 75. Jahrestag der Hochzeit unseres Namensgebers mit Erzherzogin Regina von Sachsen-Meiningen.

Unser Anliegen war es, diese Episoden der Vergangenheit nicht nur durch Bild und Ton, sondern auch durch den Geschmack lebendig werden zu lassen. Den ganzen Abend über erwarteten die Gäste eine Ausstellung, eine Filmvorführung und kreative Mitmachangebote. Namhafte Vertreter der jeweiligen Fachgebiete vermittelten Einblicke in das Hofprotokoll, die Bildsprache sowie die für diese Epoche charakteristischen Formen gesellschaftlicher und dynastischer Repräsentation. Anhand thematischer Vorträge sowie ausgewählter Tonaufnahmen und historischer Relikte konnten die Anwesenden zwei symbolträchtige Kapitel der Geschichte der Habsburgerdynastie im 20. Jahrhundert erkunden. Zu diesem Anlass wurde unser Büro vorübergehend in einen Ausstellungsraum verwandelt; die von unserer Kollegin Beáta Vitos-Merza sorgfältig kuratierte Ausstellung entwickelte sich zu einem der beliebtesten Programmpunkte.

Judit Anna Szatmári, Modehistorikerin, stellte die Merkmale des höfischen und kirchlichen Zeremoniells, die Symbolik von Kleidung und Schmuck sowie die Bräuche zeitgenössischer Hochzeitszeremonien vor. Wie die Leiterin der Textilsammlung des Kiscelli-Museums erläuterte, lassen sich beide Hochzeiten in ihrer äußeren Erscheinung als königliche Ereignisse beschreiben, da jedes Detail den repräsentativen Ansprüchen der beteiligten Familien bewusst Ausdruck verlieh. Die Zusammenstellung der Aussteuer sollte den bevorstehenden gesellschaftlichen Statuswechsel der Braut sichtbar machen, während ihre öffentliche Präsentation zugleich als Modevorbild diente, dem andere gesellschaftliche Schichten nacheifern sollten – eine Vorstellung, die in den 1950er Jahren ebenso verbreitet war wie vor dem Ersten Weltkrieg. In ihrer fachkundigen Analyse widmete sich Szatmári jedem einzelnen Element der Brautkleider sowie dem dazu getragenen Schmuck. Das wertvollste Stück war zweifellos die Tiara, die Zita bei ihrer Hochzeit trug und vierzig Jahre später ihrer Schwiegertochter schenkte. Mit mehr als 1.000 kleinen Diamanten besetzt, ließ sie sich dank ihrer raffinierten Konstruktion auch in Einzelteilen tragen – als Stirnreif, Brosche oder Anhänger. Mit ähnlicher Gründlichkeit untersuchten die Referenten die an Karls Uniform getragenen Auszeichnungen und verglichen sie mit den Orden und Ehrenzeichen an Ottos Frack.

Péter Korniss lieferte eine fachkundige und zugleich leicht verständliche fotografische Analyse der Aufnahmen von der Hochzeit Ottos und Reginas im Jahr 1951. Der mit dem Kossuth-Preis ausgezeichnete Fotograf sprach kenntnisreich über die Komposition der einzelnen Bilder, die technischen Herausforderungen ihrer Entstehung und ihre visuelle Ausdruckskraft. Unter den rund einem Dutzend als Beispiele gezeigten Fotografien befanden sich sowohl sorgfältig arrangierte, studioähnliche Porträts, die repräsentativen Zwecken dienten, als auch spontanere Aufnahmen, die Szenen im Augenblick des Geschehens festhielten und dadurch oft besonders lebendig und dynamisch wirkten. Gemeinsam mit der erhaltenen, rund 40 Minuten langen Filmaufzeichnung dokumentieren diese Fotografien die letzte groß angelegte Hochzeit des Hauses Habsburg im 20. Jahrhundert. Viele von ihnen stammen von Paul Almásy, dem aufgrund seiner jahrzehntelangen Bekanntschaft mit Otto von Habsburg die Erlaubnis erteilt worden war, die Aufnahmen anzufertigen. Korniss teilte mit dem zahlreichen Publikum zudem persönliche Erinnerungen an Paul Almásy, den er selbst gekannt hatte.

Anhand der erhaltenen Filmaufnahmen von den Feierlichkeiten in Schwarzau und Nancy ließ der Filmhistoriker Márton Kurutz die historische Kulisse lebendig werden. Die Hochzeit von Karl und Zita im Jahr 1911 versetzt den Zuschauer in die Pionierzeit des Films: Bei näherer Betrachtung dokumentiert das Zelluloid weniger das eigentliche Geschehen als vielmehr die für die Bildsprache jener Zeit typischen, bühnenhaft inszenierten Szenen. Innenaufnahmen fehlen vollständig, da sie aufgrund der damals begrenzten Beleuchtungsmöglichkeiten technisch noch nicht realisierbar waren. In den 1950er Jahren wurden die Anforderungen und technischen Rahmenbedingungen des Filmemachens hingegen bereits vom aufkommenden Medium Fernsehen geprägt. Beiden Filmaufnahmen war gemeinsam, dass sie ohne Ton entstanden: Das Publikum musste noch rund zwanzig Jahre warten, bis Ton in ausreichender Qualität aufgezeichnet und synchron wiedergegeben werden konnte. Die Ausführungen wurden durch zeitgenössische Filmausschnitte veranschaulicht, die durch die musikalische Begleitung des Jazzpianisten Iván Nagy zusätzlich an Atmosphäre gewannen. Das Zusammenspiel aus historischem Filmmaterial, fachkundigen Erläuterungen und musikalischer Improvisation machte die Atmosphäre dieser jahrzehntealten festlichen Anlässe für die Teilnehmer besonders greifbar.

Passend zum diesjährigen Motto der Nacht der Museen, „Geschichten, eingefangen in Aromen“, luden wir unsere Gäste außerdem zu einer kulinarischen Reise ein. Serviert wurde eine Auswahl von Speisen, die von den Hochzeitsmenüs der Jahre 1911 und 1951 inspiriert waren. Die Gastronomieautorin und Fernsehmoderatorin Zsófia Mautner sowie der Sommelier Csaba Harmath erläuterten den historischen Kontext, die kulinarischen Traditionen und die Trinkkultur dieser festlichen Bankette. Zur besonderen Atmosphäre des Abends trug auch die großzügige Unterstützung der Törley-Sektkellerei bei, die freundlicherweise Freixenet-Sekt zur Verfügung stellte, wofür wir ihr herzlich danken.

Besonderer Dank gilt außerdem der Militärischen Reitabteilung des Honvéd-Zrínyi-Sportvereins, deren Mitglieder in historischen Uniformen dem Programm durch ihre Anwesenheit eine unverwechselbare historische Note verliehen.

Die „Nacht der Museen: Dynastische Hochzeiten“ erwies sich als unvergessliches Erlebnis – als ungewöhnlicher Rückblick in die Vergangenheit, als Schaufenster für unsere Sammlungsobjekte, als Forum fachlicher Gespräche und als gemeinschaftliches Ereignis. Das außergewöhnlich große Interesse der Besucher bestätigte zudem, dass die Archive und Forschungsthemen der Otto-von-Habsburg-Stiftung auch ein breiteres Publikum ansprechen können – und zwar auf eine Weise, die gleichermaßen fesselnd wie inhaltlich anspruchsvoll ist.

FOTOGALERIE

Fotos: Mátyás Borsos