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Wir haben das einzigartige, mit Diamanten besetzte Großkreuz des Sankt-Stephans-Ordens von Maria Theresia identifiziert

Mehr als ein Jahrhundert, nachdem es aus dem Blickfeld verschwunden war, konnte das einzigartige, mit Diamanten besetzte Großkreuz des Sankt-Stephans-Ordens von Maria Theresia identifiziert werden. Ein Teil dieser außergewöhnlichen Insignie, der lange Zeit als verschollen galt, befindet sich in der Sammlung der Otto-von-Habsburg-Stiftung.

Wir haben das einzigartige, mit Diamanten besetzte Großkreuz des Sankt-Stephans-Ordens von Maria Theresia identifiziert

Mehr als ein Jahrhundert, nachdem es aus dem Blickfeld verschwunden war, konnte das einzigartige, mit Diamanten besetzte Großkreuz des Sankt-Stephans-Ordens von Maria Theresia identifiziert werden. Ein Teil dieser außergewöhnlichen Insignie, der lange Zeit als verschollen galt, befindet sich in der Sammlung der Otto-von-Habsburg-Stiftung.

Während ihrer Regierungszeit stiftete Maria Theresia mehrere Auszeichnungen. Im Kontext der Habsburgermonarchie und des Königreichs Ungarn war neben dem Militär-Maria-Theresien-Orden (1757) der Königlich-Ungarische Sankt-Stephans-Orden (1764) eine ausschließlich für Verdienste verliehene Auszeichnung, die auch an Zivilpersonen vergeben wurde. Letzterer wurde in erster Linie gestiftet, um sich die Unterstützung der ungarischen Stände zu sichern, und wies daher ausgeprägte ungarische Merkmale auf. Aus diesem Grund sahen die Statuten des Ordens vor, dass nur der rechtmäßig gekrönte Monarch von Ungarn sein Großmeister sein durfte.[1] Bei der ersten Verleihung am 5. Mai 1764 erschien Maria Theresia in ungarischer Tracht, begleitet von ungarischen Adligen und Angehörigen der Königlich-Ungarischen Leibgarde.

Nach 1918 führten das Königreich Ungarn und Österreich langwierige Verhandlungen über die Aufteilung von Kunstwerken und anderen Wertgegenständen aus dem gemeinsamen österreichisch-ungarischen Erbe. Im Rahmen des Badener Abkommens von 1926 wurden wichtige Archivunterlagen an Ungarn übergeben, während das Venediger Abkommen von 1932 den Austausch von Kunstwerken aus den Sammlungen der kaiserlichen Schatzkammer in Wien und dem Familienfideikommiss vorsah.

Unter den Habsburger Juwelen, die am 6. November 2025 in Québec präsentiert wurden, stechen zwei Stücke besonders hervor: eine Schleifenbrosche und eine Hutnadel. Nach dem Wiederauffinden der Schleifenbrosche hatte der Forscher Dániel Molnár bereits vermutet, dass es sich dabei um eine Hälfte eines einzigartigen, für Maria Theresia angefertigten Ordenszeichens des Königlich-Ungarischen Sankt-Stephans-Ordens handeln könnte.

Bilder: APA / ANDREA LEITNER COMMUNICATION / A. E. KÖCHERT

Diese Entdeckung trug auch dazu bei, das mit Diamanten besetzte Ordenszeichen zu identifizieren, das 2023 in den Bestand der Otto-von-Habsburg-Stiftung aufgenommen wurde. Erleichtert wurde die Forschung durch zahlreiche Porträts Maria Theresias aus den Jahren 1765 bis 1780, auf denen die verwitwete Königin in Trauerkleidung deutlich mit diesem Ordenszeichen zu sehen ist – und zwar mit beiden zusammengehörigen Teilen. Zuvor war das auf Porträts der verwitweten Maria Theresia dargestellte, mit Diamanten besetzte Großkreuz jedoch lediglich für eine künstlerische Variation gehalten worden.

Auf unsere Einladung hin untersuchten am 26. März 2026 Mitglieder der Familie A. E. Köchert, einer ehemaligen kaiserlich-königlichen Hofjuwelierfamilie, das Großkreuz in unserer Sammlung, um zur Klärung der noch offenen Fragen beizutragen. Nach einer sorgfältigen visuellen Untersuchung kamen auch sie zu dem Schluss, dass es sich tatsächlich um das Ordenszeichen Maria Theresias handeln könnte.

Die Brosche und das Ordenskreuz wurden vermutlich anlässlich der Krönung von König Karl IV. und Königin Zita am 30. Dezember 1916 voneinander getrennt; von diesem Zeitpunkt an galten beide Hälften der Insignie als Schmuckstücke. Fotografien zeigen Zita mit der Schleifenbrosche über dem Herzen, an der das Ordenszeichen des Sternkreuzordens befestigt ist. Die Brosche wurde anschließend dem Damenschmuck zugeordnet, während das Großkreuz an seinem ursprünglichen Platz verblieb, nämlich in Vitrine XXII der Kaiserlichen Schatzkammer, in der die Ordensinsignien aufbewahrt wurden. In derselben Vitrine befanden sich auch Kronen, die als Privateigentum der Dynastie galten, sowie weitere Ordenszeichen und Schmuckstücke.

Das Ordenszeichen war Maria Theresias persönliches Eigentum und gehörte nicht dem Orden. Die Kaiserin ließ dieses außergewöhnliche Schmuckstück wahrscheinlich in erster Linie aus politischen und repräsentativen Gründen anfertigen. Als Herrscherin der Habsburgermonarchie musste Maria Theresia ihre Position in einer von Männern dominierten Welt der Herrscher behaupten. Die in strahlenförmigen Mustern angeordneten Diamanten, die stilisierten Sonnen- oder Sternenstrahlen ähnelten, dürften das Kerzenlicht bei höfischen Zeremonien auf eindrucksvolle Weise reflektiert haben. Ihr blendender Glanz sollte die göttliche Legitimität ihrer Herrschaft und die beständige Stärke ihrer Dynastie symbolisieren. Im Jahr 1921 wurden das Amt und die Schatzkammer des Sankt-Stephans-Ordens in der ungarischen Gesandtschaft in Wien offiziell an Ungarn übergeben, doch das betreffende Ordenszeichen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Vermögensverzeichnis enthalten.[2] Es taucht jedoch in den von unserer Stiftung aufbewahrten Schmuckverzeichnissen auf, wo es unter den Bezeichnungen Familienschmuck beziehungsweise Dem Kaiserlichen Haus gehörend geführt und als Eigentum Maria Theresias identifiziert wird.[3]

Das für Maria Theresia angefertigte, mit Diamanten besetzte Großkreuz des Sankt-Stephans-Ordens ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Als Gründerin des Ordens war Maria Theresia die einzige Frau, die dieses Ordenszeichen trug, da die Mitgliedschaft im Orden ausschließlich Männern vorbehalten war. Zudem sah Artikel 11 der Ordensstatuten vor, dass nur der amtierende Großmeister und der Thronfolger das Recht hatten, die Insignien des Ordens mit Edelsteinen verzieren zu lassen. Bislang war ungarischen und internationalen Fachleuten nur ein einziges mit Maria Theresia in Verbindung stehendes Ordenszeichen des Sankt-Stephans-Ordens bekannt; das seit 1933 im Ungarischen Nationalmuseum aufbewahrte Exemplar ist jedoch in seiner Gestaltung wesentlich schlichter.


Maria Theresias einzigartiges, mit Edelsteinen besetztes Ordenszeichen des Sankt-Stephans-Ordens zusammen mit seiner ursprünglichen Schleife in der Sammlung des Ungarischen Nationalmuseums. Bild: Ungarisches Nationalmuseum

Beide Stücke wurden wahrscheinlich zwischen 1765 und 1770 angefertigt. Weitere erhaltene Insignien des Ordens aus dieser Zeit sind nicht bekannt. Da dieses besondere Ordenszeichen für eine Frau angefertigt worden war und in der Folge nur noch Männer mit dem Großkreuz des Ordens ausgezeichnet werden konnten, konnte – oder durfte – es nach Maria Theresias Tod niemand sonst als Ordenszeichen tragen. Dies könnte erklären, wie der obere Teil des zu diesem Zeitpunkt nur noch als Schmuckstück verwendbaren Objekts vom Großkreuz getrennt wurde und anschließend unter Zitas Krönungsjuwelen auftauchte.

In einigen im November 2025 veröffentlichten Artikeln wurden die in Québec ausgestellte Brosche und die Hutnadel mit Elisabeth von Wittelsbach, Königin von Ungarn, in Verbindung gebracht. Dies ist jedoch nicht zutreffend: Das Schmuckstück ist auf keinem bekannten Gemälde und keiner bekannten Fotografie von Kaiserin Elisabeth zu sehen, auch nicht auf Darstellungen ihrer ungarischen Krönung. Als Frau konnte sie kein Mitglied des Ordens sein.

Sicher ist hingegen, dass die Hutnadel und die Brosche zusammen mit dem Großkreuz, das in der Sammlung der Otto-von-Habsburg-Stiftung aufbewahrt wird, ein Ensemble von außergewöhnlicher und einzigartiger Bedeutung für die Geschichte des ungarischen Ordens- und Auszeichnungswesens bilden.

Die Insignien der Königin sind auf mehreren Gemälden zu sehen:


Joseph Ducreux: Maria Theresia in Trauer (1770)
Akademie der bildenden Künste Wien


Anton von Maron: Maria Theresia als Witwe mit den Reichskronen (1772)
Schloss Versailles


Anton von Maron: Kaiserin Maria Theresia mit der Statue des Friedens (1773)
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie


Anton von Maron: Maria Theresia (um 1772)
Schloss Schönbrunn


Johann Michael Millitz: Porträt von Maria Theresia als Witwe (um 1770)
Museum der Schönen Künste – Ungarische Nationalgalerie, Budapest


Joseph Hickel: Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Königin von Böhmen und Ungarn (1773)
Nationalmuseum, Stockholm


Anonym: Kaiserin Maria Theresia als Witwe
mit einer Miniatur ihres verstorbenen Ehemanns, Franz I. (1765)

Nationalmuseum in Warschau

 

 Ádám Suslik

 


[1] A rendjelek és kitüntetések történelmünkben [Orden und Auszeichnungen in der ungarischen Geschichte], hrsg. von Ferenc Felszeghy et al. (Budapest, 1943), S. 282–287; Ignácz Kisfaludy Kassics, Érdem Koszoruk vagy Értekezés A’ Felséges Austriai, Császári és Királyi uralkodó Házat illető Jeles Rendekrűl, megtiszteltetésekrűl és jutalmazásokrúl, toldalékkép pedig Europában most virágzó egyéb jeles Rendekrűl is (Wien, 1840), S. 143.
[2] Attila Pandula, „A Magyar Királyi Szent István Rend (1764–1918, 1938–1945) és a Magyar Szent István Rend (2011–)“ [Der Königlich-Ungarische Sankt-Stephans-Orden (1764–1918, 1938–1945) und der Ungarische Sankt-Stephans-Orden (2011–)], in: Mátyás Gödölle und Lajos Pallos (Hrsg.), Szent István lovagjai. A legrangosabb magyar kitüntetés 250 éve [Ritter des Sankt-Stephans-Ordens: 250 Jahre der höchsten ungarischen Auszeichnung] (Budapest: Ungarisches Nationalmuseum, 2014), S. 62–63.
[3] HOAL-I-10-1308-1948, Pariser Schmuckinventar; HOAL-I-10-Sz.n. 1-1939, Québecer Schmuckinventar; HOAL-I-10-Sz.n. 1-1925, Lekeitioer Schmuckinventar; HOAL-I-10-Sz.n. 1-1930, Lekeitioer Schmuckinventar.