Nachrichten


Auf der Suche nach der Welt von gestern

Ende September begrüßten wir einen Nachfahren der Familie von Trapp, die durch The Sound of Music weltweit berühmt wurde.

Auf der Suche nach der Welt von gestern

Ende September begrüßten wir einen Nachfahren der Familie von Trapp, die durch The Sound of Music weltweit berühmt wurde.

Wir neigen dazu, Otto von Habsburg in erster Linie als Politiker und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu betrachten, doch dies allein reicht nicht aus, um seine Persönlichkeit vollständig zu erfassen. Er verfolgte niemals einen rein technokratischen Ansatz, sondern berücksichtigte stets den größeren gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Zusammenhang. Seine vielfältigen Interessen spiegelten sich in den Beziehungen wider, die er zu Musikern, Schauspielern, Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur pflegte. Als letzter Thronfolger von Österreich-Ungarn schenkte er jenen besondere Aufmerksamkeit, deren Erfahrungen oder Familienerinnerungen etwas von der untergegangenen Monarchie bewahrten.

In einem früheren Artikel haben wir die Freundschaft der Familie von Trapp mit Otto von Habsburg und seiner jüngeren Schwester Adelheid beleuchtet. Für die später gefeierte Familie war das Auftreten zunächst eher eine finanzielle Notwendigkeit als eine selbst gewählte Berufung. Doch es war die Musik, die sie 1939 während einer Europatournee mit den Habsburgern zusammenführte, und ihre Verbundenheit hielt auch während der Jahre des Exils in Amerika an.

Eszter Barcs’ Bericht fand eine unerwartete Fortsetzung: Er veranlasste Gardiner von Trapp, der seit einem Jahrzehnt in Wien lebt, uns zu besuchen. Der ausgebildete Neurobiologe und versierte Cellist erforscht inzwischen systematisch die Geschichte seiner Familie. Neben den Dokumenten, auf denen die Veröffentlichung beruhte, zeigten wir ihm weitere Materialien aus unserer Sammlung, die mit der Familie von Trapp in Verbindung stehen. Dazu gehörten Quellen zur österreichisch-ungarischen Marine sowie das Großkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens. Georg von Trapp, das Familienoberhaupt, dessen Darstellung im Musical erheblich von der historischen Wirklichkeit abweicht, erhielt 1924 das Ritterkreuz des Ordens für seine herausragenden Verdienste als Offizier der k.u.k. Kriegsmarine.

Unser Gast erzählte, wie seine Vorfahren Anfang der 1940er-Jahre im ländlichen Vermont eine neue Heimat fanden, umgeben von Bergen und Wäldern, die sie an ihre zurückgelassene Heimat erinnerten. Von Anfang an herrschte auf dem Anwesen ein reges gesellschaftliches Leben, in dessen Mittelpunkt die Musik stand. Eine bemerkenswerte Verbindung besteht zwischen diesen Zusammenkünften und einem Gast, den wir im Frühjahr begrüßen durften: Professor Pieter Judson, dessen Mutter in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre daran teilgenommen hatte. Wir sprachen auch über die Möglichkeit einer Ausstellung, die die Geschichten beider Familien vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Zeit beleuchten könnte.

Solche Begegnungen ergänzen das Bild, das die Archivalien vermitteln, um persönliche Erinnerungen und Erzählungen. Sie werfen Licht auf weniger bekannte Aspekte des Alltagslebens Otto von Habsburgs und seiner Angehörigen, darunter auch jene persönlichen Gesten, die ihre Erfahrungen mitprägten, im Schatten der großen politischen Ereignisse jedoch häufig unbeachtet bleiben.